Alle reden über den besten neuen Kollegen. Wir reden über die, an denen er vorbeizieht.

Am Ende des letzten Artikels haben wir eine Beobachtung offen gelassen – eine, die uns selbst nicht loslässt.

Je besser unser KI-Agent wird, desto größer die Versuchung, vor allem mit ihm zu arbeiten. Und seltener mit den Kolleginnen und Kollegen, deren Einarbeitung länger dauert und deren Rückmeldung nicht immer entspannt ausfällt. Uns bei der AIC Group GmbH eingeschlossen.

Das ist unbequem. Aber es ist real. Und es ist kein Tool-Problem – es ist eine Frage der Zusammenarbeit.

Warum es so leicht passiert

Stell dir zwei Gegenüber vor.

Das eine ist immer verfügbar. Es antwortet sofort, bleibt ruhig, nimmt keine Korrektur persönlich und liefert auf einem zunehmend hohen Niveau. Man kann ihm dreimal hintereinander sagen, dass etwas nicht passt, ohne dass die Stimmung kippt.

Das andere ist ein Mensch. Vielleicht neu im Thema, vielleicht mit längerer Lernkurve. Es braucht Zeit, manchmal Geduld, gelegentlich eine zweite Erklärung. Feedback muss man vorsichtiger formulieren. Und es kann sein, dass die erste Antwort noch nicht sitzt.

Wenn der Druck steigt und die Zeit knapp ist, zeigt der Pfad des geringsten Widerstands ziemlich eindeutig in eine Richtung. Niemand entscheidet sich bewusst gegen den Kollegen. Man entscheidet sich nur, immer öfter, für das schnellere Gegenüber. Das ist menschlich. Und genau deshalb heikel.

Was dabei verloren geht

Auf den ersten Blick wirkt das effizient. Die Stärksten arbeiten mit dem stärksten Werkzeug, die Ergebnisse kommen schneller. Was dabei leise verschwindet, sieht man erst auf den zweiten Blick.

Die Kollegen, die am meisten von Anleitung profitieren würden, bekommen am wenigsten davon. Wer früher eingearbeitet, mitgenommen, im Gespräch geschärft wurde, sitzt jetzt etwas mehr allein. Die Lernkurve, die ohnehin länger war, wird nicht kürzer – sie wird einsamer.

Gleichzeitig wandert Wissen dorthin, wo es am wenigsten geteilt wird: in den Dialog zwischen den Stärksten und ihrem Agenten. Was früher im Team besprochen wurde, passiert jetzt im stillen Chatfenster. Das Ergebnis ist gut. Aber es gehört einem Einzelnen, nicht der Mannschaft.

Und dann ist da der Punkt, der uns am meisten beschäftigt. Wir sagen über unseren Agenten gern: Er ist kein Ersatz, sondern fachliche Entlastung. Ein Sparringspartner, kein Autopilot. Aber ein Sparringspartner, der menschliches Sparring verdrängt, ist genau das nicht mehr. Dann haben wir die Zusammenarbeit nicht entlastet, sondern ersetzt – und sind einen leisen Schritt zurückgegangen in Richtung Automatisierung. Das Gegenteil von dem, wofür wir stehen.

KI-Agent mit Zielflagge in der Mitte, nah bei ihm Läufer in Gruppen, Einzelne laufen allein am Rand

Eine Frage des Teams, nicht des Einzelnen

Das macht das Thema zu einer organisatorischen Frage, nicht zu einer persönlichen. Reife ist nichts, was eine einzelne Person hat – sie ist eine Eigenschaft des Teams. Und sie erodiert, wenn die Erfahrensten aufhören, in die weniger Erfahrenen zu investieren.

Deshalb reicht es nicht, an die Einsicht des Einzelnen zu appellieren. Es braucht bewusste Spielregeln, die menschliche Zusammenarbeit schützen – gerade dann, wenn der Agent der bequemere Weg wäre.

Was wir uns vorgenommen haben

Die Antwort ist nicht, den Agenten zurückzudrängen. Er bleibt ein gutes Werkzeug. Die Antwort ist, die Zusammenarbeit bewusst zu schützen.

Konkret heißt das für uns drei Dinge.

Wir leiten manche Aufgaben bewusst über den menschlichen Weg, auch wenn der Agent schneller wäre – überall dort, wo das gemeinsame Arbeiten selbst der Wert ist, nicht nur das Ergebnis.

Wir behandeln Einarbeitung und Mentoring als geschützte Zeit, nicht als das, was übrig bleibt, wenn die KI-Arbeit getan ist. Wer andere mitnimmt, leistet etwas – auch wenn es langsamer aussieht.

Und wir halten den Agenten als geteilte Ressource. Gute Prompts, hilfreiche Resümees, das, was wir mit ihm erarbeiten, wandert zurück ins Team – damit Wissen kollektiv bleibt und sich nicht in einzelnen Köpfen sammelt.

Wir sind dabei selbst noch nicht fertig. Aber wir haben angefangen, bewusst hinzuschauen – und das ist der erste Schritt.

Was das für andere bedeutet

Je besser KI-Agenten werden, desto mehr verschiebt sich die eigentliche Arbeit auf den Menschen – das war die Pointe des letzten Artikels. Dieser hier zeigt die andere Seite: Sie verschiebt sich nicht nur, sie verteilt sich ungleich. Und wenn man nicht aufpasst, auf Kosten genau der Zusammenarbeit, die ein Team trägt.

Das ist eine Frage der Reife des ganzen Teams – und damit sind wir bei der ersten der drei Voraussetzungen, über die wir bisher nur im Vorbeigehen gesprochen haben: Readiness. Darum geht es im nächsten Teil ausführlich.

Beobachtet ihr das bei euch auch – dass die Stärksten zur KI wandern und die Zusammenarbeit zwischen Menschen darunter leidet? Wie geht ihr damit um? Schreibt uns.

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*Artikel sind teilweise mit der KI erstellt.